ADFC-Netzwerkerinnen treffen sich in Münster - ADFC Nordrhein-Westfalen
Radfahrerinnen in bunter Kleidung vor dem historischen Gebäude Haus Rüschhaus

ADFC Frauennetzwerk NRW zu Gast im Haus Rüschhaus © ADFC NRW Andreas K. Bittner / Martina Kocik

ADFC-Netzwerkerinnen treffen sich in Münster

Am 20. August 2022, einem sonnigen Sommersamstag, trafen sich 16 Frauen in der Geschäftsstelle "Fietserei" des ADFC Münsterland. Was für eine Wohltat nach den vielen Online-Formaten in den vergangenen Monaten und dem erneut verschobenen NRW-Forum.

Wichtigste Erkenntnis: die Balance zwischen ruckeligen, digitalen Netzwerken und lebhaften, persönlichen Begegnungen ist wichtig, wenn verlässliche und inspirierende Beziehungen wachsen sollen. Und auch eine gemeinsame Radtour wirkt vitalisierend bei zunehmender Zoom Fatigue. Ein kurzer Bericht von Martina Kocik.

Reales Treffen als „Booster“
Nach über zwei Jahren rein digitalem Austausch zeigte sich auch im ADFC Frauennetzwerk eine deutliche digitale Ermüdung. Ganz klar: die NRW-Frauen haben gemeinsam viel erreicht und die monatlichen Meetings waren meistens gut besucht. Aber, ganz ehrlich, die Luft war raus, und es gab das Bedürfnis sich zu sehen, auszutauschen und gemeinsam Neues zu erleben.
 
Die Idee eines realen Treffens in Münster entstand spontan– zumal die Münsteraner*innen die Corona-Zeit genutzt hatten, ihre Geschäftsstelle (jetzt Fietserei genannt) in ein kräftiges Orange-Blau zu tauchen und aufzumöbeln. Eine bequeme Sitzecke mit Beistelltischchen, variabel nutzbare Sitzgelegenheiten, großformatige Fotos statt verstaubter Kartenständer und ein Tresen mit freiem Blick auf den grünen Hansakiez bildeten den frischen Rahmen. Und davor ausreichend Platz auf dem Bürgersteig für ein paar Biergarnituren an einem lauschigem Sommerabend.

Rheinland, Westfalen und OWL. Aus allen Richtungen kamen 18 Frauen mit 9-Euro-Ticket sowie Brompton oder Bakfiets in die sogenannte Fahrradstadt Münster. Wegen eines Stellwerkschadens in Dortmund und einem Zugausfall in Hagen haben es dann leider zwei Teilnehmerinnen am Ende nicht zum Netzwerktreffen geschafft. Aber die Wiedersehensfreude bzw. die des ersten leibhaftigen Kennenlernens ist groß.

Der Esprit von Annette
Kurz zur Erklärung: Gemeint ist hier nicht unsere Landesvorsitzende Annette Quaedvlieg, die an diesem Treffen leider nicht teilnehmen konnte. Nein, es geht um die Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff, die nicht nur in ihrer münsterländischen Heimat beliebt ist, sondern zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern des 19. Jahrhunderts gehört. Sie hat uns an diesem Tag inspiriert. Denn sie war eben nicht die biedermeierlich, adelige Heimatdichterin, sondern eine Netzwerkerin von Format. Allerdings können wir ausschließen, dass sie jemals Fahrrad gefahren ist.

Über Münsters bekannte Promenade, einige Fahrradstraßen und gut gewählte abgelegene Pfade führte Tourguide Trixi Zurek-Imhoff die fröhliche Schar sicher zu Haus Rüschhaus, dem zeitweiligen Wohnsitz der Droste, die auf der nahegelegenen Burg Hülshoff geboren wurde.

In den alten Gemäuern von Haus Rüschhaus erfahren die ADFC-Frauen viel über eine immer schon moderne Dichterin, die ihrer Zeit in der katholischen Provinz weit voraus war. Ihr Anspruch „nach hundert Jahren möcht‘ ich gelesen werden …“ hat sich tatsächlich erfüllt. Das gilt nicht nur für "Judenbuche" und "Knabe im Moor". Wer mehr über "die Nette" erfahren möchte, findet im Anhang ein paar Literaturempfehlungen.

Der Rückweg ins moderne Münster führte die Gruppe am Aasee entlang. Wir rollten so dahin bei inspirierendem Austausch und dem sommerlichen Blick auf den Aasee mit seinen Flaneur:innen und zahlreichen Segelbooten. Annette wäre sicherlich gern mitgefahren. 

Ausklang an der Fietserei
Zwei ADFC-Männer, Bene Hoffmann und Andreas K. Bittner, sorgen in der Zwischenzeit für einen reibungslosen Ablauf vor Ort. Gemütliche Biergarnituren, eine kühles Pinkus (auch eine lokale
Spezialität) und ein leichtes Sommerbüffet auf dem schattigen Platz unter alten Platanen. Noch bis in die späten Abendstunden sitzen wir Frauen in erfrischend fröhlicher Stimmung.  Beim Abschied fällt auf, wie gut dieses Treffen uns Frauen getan hat. Es soll im nächsten Jahr bei einem anderen Kreisverband wiederholt werden.

Statements
Die Fietserei in Münster ist absolut gelungen. Sowohl Einrichtung als auch Farbkonzept sind richtig gut und total gemütlich. Gerne hätten wir so etwas auch.  Großes Lob an die Münsteraner*innen.

Die Aachener – eh schon alle im Partnerlook – knalloranges Oberteil – sind ein schöner Farbklecks auf allen Fotos.

Angelika aus Aachen präsentiert sich vor der Abreise noch in ihrem selbstgeschneiderten Rock. Sie zeigt, dass Radfahrerinnen abseits der Funktionstextilien modische Trends setzen können. Vielleicht ist das auch mal ein Thema im Frauennetzwerk?

Der Tag war wunderbar und wir müssen das jetzt regelmäßig einmal im Jahr bei einem anderen KV machen.

ADFC NRW Frauennetzwerk als starke Gemeinschaft
Anna Limbach, Kerstin Lemmen und Martina Kocik als Initiatorinnen dieses Meetings sind sich einig: Das Treffen ist mehr als überfällig gewesen und hat uns noch näher zusammenrücken lassen.

Die Frauen haben viele gute Ideen, entwickeln im Gespräch neue Ansätze und entdecken, dass ihr Thema kein Einzelthema ist, sondern viele Frauen betrifft. Gemeinsame Stärkung und gegenseitige Inspiration sind an diesem Abend sehr präsent. 

Viele Herausforderungen sind im Netzwerk besser zu bewältigen – es entlastet, informiert und inspiriert.  

Selbstverständlich benötigen wir im ADFC auch gemischte Bündnisse, die die Vielfalt im ADFC abbilden und die unterschiedlichsten Interessen aufzeigen.  

Aber, da sind sich die Teilnehmerinnen an diesem Abend mit einem Augenzwinkern einig: „der ADFC ist schon ein Männernetzwerk“.
Höchste Zeit also, das eigene Netzwerk zu stärken, sich gegenseitig zu fördern und an Ideen teilhaben zu lassen.

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