ADFC NRW schlägt alternatives Rad-Angebot vor - ADFC Nordrhein-Westfalen

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V.

Nahverkehrszug am Hauptbahnhof in Köln. Fahrrad auf Bahnsteig. Dom im Hintergrund.

Nahverkehrszug am Hauptbahnhof in Köln. © ADFC NRW

ADFC NRW schlägt alternatives Rad-Angebot vor

Düsseldorf, 29. Januar 2026

01/26

Bahnsanierung Hagen-Wuppertal-Köln:

ADFC NRW schlägt alternatives Rad-Angebot vor

Die Bahnstrecke von Hagen über Wuppertal nach Köln wird im Zeitraum vom 8. Februar bis zum 10. Juli 2026 aufgrund einer Generalsanierung komplett gesperrt. Der ADFC NRW regt temporäre Verbesserungen für Radfahrer:innen entlang der Bahnstrecke an. So könnten Mehrbelastungen im Auto- und Schienenersatzverkehr abgemildert werden. Zudem entlaste dies die Umwelt und Menschen könnten langfristig fürs Radpendeln gewonnen werden.

Drohende Staus und Überlastungen im Schienenersatzverkehr

Die Generalsanierung macht eine der wichtigsten Pendelachsen in NRW monatelang nur eingeschränkt nutzbar. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen ist aufgrund längerer Fahrzeiten unattraktiv. Daher droht zusätzlicher Autoverkehr und damit mehr Staus im Ruhrgebiet, Bergischen Land und Rheinland.

Landesvorsitzende Niemann: Jetzt Chance für mehr Radverkehr nutzen

Susanne Niemann, eine der beiden Landesvorsitzenden des ADFC NRW, sagt:
Die Bahnstrecke von Hagen nach Köln ist eine wichtige Verkehrsader für viele Pendler:innen in Nordrhein-Westfalen. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Menschen entlang der Strecke jetzt attraktive Alternativ-Angebote bekommen. Hier steckt eine große Chance für Fahrradförderung: Mit einer sicheren und gut ausgeschilderten Fahrradroute kann man Stau und Frust im Ersatzverkehr oder auf den Straßen und Autobahnen verringern. Beispiele aus den Regionen Düsseldorf und Stuttgart zeigen, dass alternative Angebote sehr gut angenommen werden und sogar noch Jahre danach gefragt sind.“

Anregung ADFC NRW: Kurzfristige Maßnahmen für Radfahrende

Der ADFC NRW regt an, dass das Land NRW, die Kommunen und die Bahn an der betroffenen Strecke jetzt ein kurzfristiges Rad-Angebot für Pendler:innen erarbeiten.

Radverkehrs-Experte Jürgen Heidenreich vom ADFC NRW erläutert:

„Manche Maßnahmen brauchen sicherlich einen zeitlichen Vorlauf. Aber das Land NRW kann Kommunen entlang der Strecke kurzfristig beraten und unbürokratisch Fördermittel für Sofortmaßnahmen zur temporären Verbesserung der Radinfrastruktur bereitstellen. Eine geeignete Grundlage dafür gibt es bereits mit dem AGFS-Leitfaden »Sofortmaßnahmen«. Dieser beschreibt schnell umsetzbare Lösungen für den Radverkehr. Aufbauen können die Kommunen auf der Machbarkeitsstudie zur sogenannten Bergisch-Märkischen-Veloroute von Hagen nach Wuppertal. Hier wurden bereits wichtige Streckenabschnitte für den Radverkehr identifiziert. Diese könnten als Grundlage für eine alternative Route entlang der Bahnstrecke dienen.“

Diese Maßnahmen schlägt der ADFC NRW konkret vor:

  • Festlegung einer durchgängigen, möglichst vom Autoverkehr getrennten Radroute entlang der Bahnstrecke
  • Wetterfeste Ausschilderung der Radroute
  • Einrichtung von temporären Radfahrstreifen & Pop-up-Radwegen auf wichtigen Abschnitten der Route
  • Bevorrechtigung des Radverkehrs und sichere Querungen
  • Informationskampagnen online und an Bahnhöfen sowie Haltestellen zum alternativen Rad-Angebot
  • Zusätzliche Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen und Umsteigepunkten sowie Leihradsysteme/Sharing-Angebote auch über Kommunalgrenzen
  • Beratung und Unterstützung für Kommunen entlang der Strecke durch den ADFC

Blick nach Baden-Württemberg: Vorbild Region Stuttgart

Bei Streckensperrungen zwischen Stuttgart und dem nahgelegenen Waiblingen wurden 2023 bereits erfolgreiche alternative Radangebote aufgebaut, etwa mit temporären Radfahrstreifen, Fahrradstraßen und begleitender Öffentlichkeitsarbeit. Unterstützt vom damaligen Verkehrsministerium, war das Projekt ein voller Erfolg: Viele Menschen hatten während der Streckensperrung das Rad neu ausprobiert. Einige davon blieben dem Rad auch nach der Erprobungsphase treu und entlasteten dadurch den Autoverkehr auf den Straßen.

Modell für zukünftige Generalsanierungen in NRW

Ein gut durchdachtes Rad-Angebot während der Bahn-Streckensperrung kann aus Sicht des ADFC NRW Modellcharakter für zukünftige Sanierungen haben. Deshalb appelliert der Fahrradclub an Land, Kommunen und Bahn, frühzeitig bei zukünftigen Generalsanierungen in NRW alternative Rad-Angebote mit einzuplanen. So kann aus der Belastung durch Sperrungen ein echter Schub für eine klimafreundliche und zukunftsfähige Mobilität in NRW werden.


Quellen zu Rad-Angeboten bei Streckensperrungen in Stuttgart und Düsseldorf sowie zur Machbarkeitsstudie Bergisch-Märkische Veloroute


Über den ADFC NRW

Der ADFC NRW e.V. ist mit mehr als 60.000 Mitgliedern der größte Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. In 37 Kreisverbänden und rund 100 Ortsgruppen sind wir vor Ort aktiv. Wir setzen uns für eine klimafreundliche Verkehrspolitik ein, fahren gemeinsam Touren und beraten in allen Fragen rund ums Fahrrad. Als Landesverband werben wir in Politik, Ministerien und Verbänden für eine Verkehrspolitik, die die Potenziale des Fahrrades ausschöpft. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung einer umfassenden Radverkehrsinfrastruktur: ein einheitliches Radverkehrssystem für Alltags-, Freizeit- und Urlaubsradfahrer:innen mit hohen Qualitätsstandards und guten Serviceeinrichtungen.

https://nrw.adfc.de/pressemitteilung/adfc-nrw-schlaegt-alternatives-rad-angebot-vor

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