Stellungnahme des ADFC Herten zum Radverkehrskonzept - ADFC Nordrhein-Westfalen

Stellungnahme des ADFC Herten zum Radverkehrskonzept

Der ADFC Herten begrüßt den Entwurf eines Radverkehrskonzepts für die Stadt Herten ausdrücklich als lange erwartete Wiederaufnahme und Fortführung des 100-Punkte-Plans aus dem Jahr 2010.

Lastenräder auf dem Marktplatz
Starker und sich verändernder Radverkehr braucht vernünftige Infrastruktur © ADFC Herten

Hervorzuheben ist die Einführung der seit der StVO-Novelle 1997 gesetzlich verankerten, weitgehend gleichberechtigten Berücksichtigung des Radverkehrs als Verkehrsmittel und das daraus abgeleitete Prinzip der dualen Verkehrsführung (Radweg - Fahrbahn parallel).

Die über 100 akribisch und umfangreich ausgearbeiteten Maßnahmen-Steckbriefe sind eine gute Grundlage für zukünftig umzusetzende Maßnahmen zur Sicherung und Förderung des Radverkehrs in Herten.

Aus Sicht des ADFC Herten sind folgende allgemeine Änderungen und Ergänzungen wünschenswert:

Kurzfristige Maßnahmen

Viele Baumaßnahmen sind aufwändig und liegen nicht in der Baulast der Stadt - eine kurz- und mittelfristige Umsetzung ist dann fraglich. Eine Prüfung kurzfristig und einfach umzusetzender Maßnahmen (Beschilderungen, Markierungen, Tempolimits) im Kompetenzbereich der Stadt Herten wäre gerade bei sicherheitsrelevanten Mängeln wünschenswert – hier regen wir die jeweilige Ergänzung eines entsprechenden Prüfauftrag in den Maßnahmen-Steckbriefen bzw. in Kapitel 5. Umsetzungsschritte des Konzepts an.

(Rad-)Verkehrsschauen

Wir regen die Einrichtung von Verkehrsschauen mit Schwerpunkt Radverkehr (Rad-verkehrsschauen) unter Einbindung jeweils betroffener ÖPNV-, Kfz-, Rad- und Fußverbände an. Derzeit finden solche Schauen ohne Beteiligung der Interessensvertretungen statt, was zu einer teilweise einseitigen Sichtweise führt.

Arbeitskreise

Wir regen die durch die Mitgliedschaft in der AGFS vorgesehene (Wieder-) Aufnahme von Arbeitskreisen (aka "runder Tisch") unter Einbindung jeweils betroffener ÖPNV-, Kfz-, Rad- und Fußverbände an.

Evaluation/Monitoring/Wirksamkeitsüberprüfungen

Wir regen die Aufnahme von Evaluation/Monitoring/Wirksamkeitsüberprüfungen der jeweiligen Maßnahmen und die Nennung eines möglichen Zeithorizontes zur Umsetzung von Maßnahmen in das Konzept an.

Feldstraßenbrücke

Der Maßnahmen-Steckbrief Nr. 62 betrifft die Feldstraßenbrücke. Das regelmäßige Fehlverhalten von Radfahrenden erfordert aus Sicht des ADFC die kurzfristige Verbesserung und deutliche Beschilderung/Markierung der derzeitige Radverkehrsführung. Eine Begleitende Öffentlichkeitsarbeit, auch an den umgebenden Schulen, erscheint dringlich.

Die neue Brücke wird eine der wichtigen Verkehrsachsen der Stadt Herten, hier regen wir den aktiven Einsatz der Verwaltung gegenüber Straßen.NRW für eine zukunftsfähige Verkehrsführung an. Der ADFC Herten hat dazu bereits im Juli 2020 erste Vorschläge in die Verwaltung gegeben.

Maßnahmen-Ergänzungen

Wir regen aufgrund der Dringlichkeit die Aufnahme der folgenden Mängel als jeweils eigenen Maßnahmen-Steckbrief an:

  • Radverkehrsführung Kreuzung Feldstraße/Westerholter Straße (sog. Blechecke) - Radwege viel zu schmal, fehlende Radaufstellflächen an LSA, Erreichbarkeit ALDI
  • Zweirichtungsradweg Ewaldstraße zwischen Zeche Ewald und Stadtgrenze - unzureichende Breite und Oberfläche auf Radhauptverbindung
  • Radverkehrsführung Kreuzung Gelsenkirchener Straße/Ewaldstraße (Freier Rechtsabbieger, Beschilderung, Ampelschaltung auf Radhauptverbindung)

Grünverbindungen

Wir regen an, vor der Freigabe sog. Schleichwege/Grünverbindung die ausreichende Breite für ein konfliktfreies Miteinander von zu Fuß Gehenden und Radfahrenden zu prüfen. Zum Schutz des Fußverkehrs sollte maximal ein Gehweg – Radverkehr frei ausgewiesen werden.

„Grüne Wellen“

Wir regen die Einrichtung sog. "Grüner Wellen" für RadfahrerInnen auf Hauptverkehrsachsen (z.B. bei Tempo 18 km/h auf der Kaiserstraße) an.

Ampelschaltungen

Wir regen an, die Abschaltung sog. Bettelampeln durch sog. Schlafampeln (Dunkel-Dunkel-Schaltung) während verkehrsarmer Zeiten zu ergänzen. In solchen Fällen die Ampel ist ausgeschaltet (z.B. nachts), wird aber bei Bedarf durch Fußgänger/Radfahrenden sofort aktiviert und ermöglicht ein gefahrloses Überqueren der Straße. Ein Anwendungsfall wäre beispielsweise die Kreuzung Allee des Wandels/Feldstraße.

Fortschreibung

Um eine übersichtliche Fortschreibung der Maßnahmen-Steckbriefe zu gewährleisten, sollte von einer durchgehenden Nummerierung (1-102) abgesehen werden. Wir regen eine Gliederung und Nummerierung analog zu den vier Handlungsfeldern an (z.B. 1.1 - 1.x, 2.1 - 2.x usw.). Weitere notwendig werdende Maßnahmen würden dann jeweils an die entsprechende Liste thematisch passend angehängt und entsprechend in den Übersichtkarten ergänzt.

Priorisierung der Maßnahmen

Das Kriterium "Grad der Nachhaltigkeit" zur Priorisierung der Maßnahmen erscheint ohne Sinn.

Kooperation Verwaltung-ADFC

Durch das häufige Nennen des ADFC als extern Beteiligter in Maßnahme-Steckbriefen wird der unrichtige Eindruck erweckt, zwischen der Stadt Herten und dem ADFC bestünde Einigkeit bzgl. der Priorität, der Umsetzungsgeschwindigkeit oder Eignung der entwickelten Maßnahmen zur Verbesserung in den verschiedenen Themenbereichen. Richtig hingegen ist, dass wir unsere Expertise auf Anfrage einbringen und auch bei diversen Veranstaltungen mit der Stadt Herten zusammen arbeiten. Bei der Umsetzungsgeschwindigkeit und auch bei den vorgeschlagenen Lösungen sehen wir noch Potenzial bzw. haben auch zum Teil abweichende Meinung.


https://nrw.adfc.de/neuigkeit/stellungnahme-des-adfc-herten-zum-radverkehrskonzept

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