Radfahren in der Stadt, Ampelstart von oben

Radfahren in der Stadt - Ampelstart von oben © ADFC/Gerhard Westrich

ADFC NRW fordert kurzfristig mehr Corona-Abstand

 

Nr. 18/2020, Düsseldorf, 27.10.2020

 

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club NRW (ADFC NRW) fordert, dass das Radfahren endlich als aktiver Pandemieschutz verstanden und für die aktive Gesundheitsförderung genutzt wird. Obwohl der Verband bereits auf dem Höhepunkt der Coronapandemie im März darauf hingewiesen habe, seien die Behörden mit keinem schlüssigen Verkehrskonzept auf die steigenden Infektionszahlen vorbereitet und versäumten weiterhin, Platz für den Radverkehr zu schaffen. Die aktuelle Pandemiesituation offenbare das Hauptproblem: Es fehlt an Platz fürs Rad, damit die Menschen die erforderlichen Abstände einhalten können. Neben der Anordnung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit, fehlt es laut ADFC aber vor allem an weiteren Maßnahmen, um mehr Menschen das sichere Radfahren mit Abstand zu ermöglichen.

Thomas Semmelmann, der Landesvorsitzende des ADFC NRW, findet klar Worte:
 „Die Gesundheit der Menschen hat für uns höchste Priorität und Maskentragen ist eine wichtige Maßnahme, wenn kein Abstand gehalten werden kann. Aber wir verspielen die Akzeptanz in den Mund-Nasen-Schutz, wenn durch die Phantasielosigkeit der Politik nun Schülern zusätzlich zum ganzen Schultag und auf dem Pausenhof jetzt noch auf dem Weg mit dem Rad zur Schule und nach Hause der Maskenpflicht unterliegen. Und das, obwohl durch einfache Maßnahmen schnell und unbürokratisch pandemiesichere Schulradwege geschaffen werden können.“

ADFC NRW regt „Corona-Grün“ an

Dabei sei die Lösung so einfach: Radfahrenden müsse lediglich ermöglicht werden, dass sie überhaupt Abstand halten können, was ja der beste Schutz sei und auch von jedem Bürger verlangt werde. Aber das sei oft nicht möglich, weil Radwege zu schmal ausgelegt und Radampeln viel zu lange rot seien. Daher „knubbele“ es sich morgens oft an Kreuzungen,  weil viele noch bei der kurzen Grünphase gleichzeitig rüber wollen.

Thomas Semmelmann: „Warum denken wir nicht mal über eine Art „Corona-Grün“ nach?  Dabei könnten Schülerlotsen oder Polizisten auf stark frequentierten Schulradwegen bei Bedarf den Vorrang für den Radverkehr sicher regeln. Das wäre die schnellste, kostengünstigste und einfachste Möglichkeit, damit Kinder und Radpendler auf dem Weg zur Schule oder Arbeit mit Abstand und ohne Gefährdung über die Ampel kommen. Das ist praktischer Pandemie- und Klimaschutz gleichzeitig, der sich an der Lebenswirklichkeit der Radfahrenden während Corona orientiert“, so Semmelmann.

ADFC NRW will eigenen „Corona-Grün“-Testversuch in NRW starten

Aktuell laufen die Planungen in einer Gemeinde in NRW, um in Zusammenarbeit mit Polizei und ehrenamtlichen Helfern des ADFC einen Modellversuch zu starten, so der nordrhein-westfälische Fahrrad-Club. Eine weitere Maßnahme um kurzfristig den Abstand insbesondere zwischen Fuß- und Radverkehr zu ermöglichen, ist die konsequente Aufhebung der Benutzungspflicht dort, wo der Abstand auf gemeinsamen und getrennten Geh- und Radwegen nicht eingehalten werden kann. Um den Radverkehr sicher auf der Fahrbahn zu führen, haben sich unter anderem „Pop-Up-Radwege“ bewährt, die durch die Umwidmung einer Fahrspur einen sicheren Platz für Radverkehr mit pandemiesicherem Abstand schaffen. 

„Wenn wir jetzt nicht handeln und nicht sofort mehr Platz und eine vorrangige Ampelschaltung für Radfahrende und den Fußverkehr schaffen, werden wir im Frühjahr überfordert sein, wenn deutlich mehr Menschen aufs Rad steigen. Wir brauchen jetzt Konzepte, damit das Potential des Radverkehrs sich positiv auf Entwicklung der Coronapandemie auswirken kann“, sagt Thomas Semmelmann vom ADFC-NRW. 


Über den ADFC NRW

Der ADFC NRW e.V. ist mit mehr als 49.000 Mitgliedern der größte Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. In knapp 40 Kreisverbänden und 100 Ortsgruppen sind wir vor Ort aktiv. Wir setzen uns für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik ein, fahren gemeinsam Touren und beraten in allen Fragen rund um das Fahrrad. Als Landesverband werben wir in Politik, Ministerien und Verbänden für eine Verkehrspolitik, die die Potentiale des Fahrrads ausschöpft. Dabei steht die Entwicklung einer umfassenden Radverkehrsinfrastruktur im Mittelpunkt: ein einheitliches Radverkehrssystem für Alltags-, Freizeit- und Urlaubsradfahrer*innen mit hohen Qualitätsstandards und guten Serviceeinrichtungen.

 


https://nrw.adfc.de/pressemitteilung/adfc-nrw-fordert-kurzfristig-mehr-corona-abstand-1

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC NRW?

    Der Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ist die Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in NRW. Wir werben in Politik und Öffentlichkeit für ein eiheitliches Radverkehrssystem mit hohen Qualitätsstandards für Alltags- sowie Freizeitfahrerinnen und -fahrer.

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  • Wie viele Mitglieder hat der ADFC NRW?

    Der ADFC NRW ist mit mehr als 50.000 Mitgliedern der stärkste Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. 
    Wir sind Servicepartner in allen Fragen rund ums Rad und die starke Stimme für mehr Fahrradmobilität.

  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte noch weitere Vorteile: Sie können - egal, wo Sie in Deutschland mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Informationen rund um alles, was Sie politisch, technisch und im Alltag an Fahrradthemen bewegt. Wir bieten  außerdem unseren Mitgliedern Sonderkonditionen bei Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern. Wie wäre es mit einer Mitgliedschaft?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die ein schnelles Anhalten ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

  • Worauf sollten Radfahrende besonders achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen. Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Wer von einem "E-Bike" spricht, meint in der Regel ein Pedelec. Denn ein richtiges "E-Bike" ist in Wirklichkeit eine Art Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Diese Art der Fortbewegungsmittel spielt am Markt aber keine große Rolle. Ein Pedelec unterstützt Radfahrende hingegen nur, wenn diese gleichzeitig ihre Muskelkraft einsetzen. Neben dem Pedelec gibt es noch das S-Pedelec, das für Speed steht und mit bis zu 45 km/h unterstützt. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig.

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